Apr 8: Sprücheklopfer
Foto: design3000.de
Jul 21: Mode, Models & Modelle
Während viele Menschen in diesen Tagen ihre Sommergarderobe preiswert in den Schlussverkäufen aufbessern, drehte sich vergangenes Wochenende in Berlin bereits alles um die Frühjahr-/Wintersaison 2009. Vier Tage lang präsentierten internationale Modedesigner ihre aufregenden Kollektionen im Herzen der Hauptstadt. Auf dem Bebelplatz, direkt Unter den Linden, zeigten schmale Models, was nächstes Jahr getragen wird. Ein großes Zelt verbarg die kommenden Trends vor den Blicken ungeladener Zuschauer. Prominente und Journalisten konnten indes einen Blick auf den Laufsteg werfen und das Modedefilee genießen. Letztere jedoch nur, wenn sie eine Einladung der Designer vorweisen konnten. Als freie Journalistin ohne festen Auftrag hatte ich da natürlich schlechte Karten. Also tauschte ich die Models gegen Modelle und stattete zusammen mit meinem Freund dem neu eröffneten Wachsfigurenkabinett „Madame Tussauds“ einen Besuch ab. [...]
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Okt 28: Nachtrag zu "Wie viel ist ...
Fünf Monate und 2 Tage nach der Gerichtsverhandlung gegen den Kleinbusfahrer Manfred Fränkel, der meinen Bruder auf dem Gewissen hat, wurde das Gerichtsurteil vom Oberlandesgericht Dresden bestätigt (Artikel vom 29. Mai). Die Revision des Angeklagten wurde als unbegründet verworfen.
Seit dem Tod von Steven sind ein Jahr, vier Monate und zwei Tage vergangen. Wir hören sein Lachen, als wäre es gestern gewesen, sehen sein Gesicht, haben seine Scherze noch ganz frisch in Erinnerung.
Manfred Fränkel konnte in dieser Zeit unbehelligt am Straßenverkehr teilnehmen, konnte Personen befördern, vielleicht auch Kinder.
Steven wäre heute 23. Er hätte noch alles vor sich.
Manfred Fränkel ist heute 70 oder 71. Er muss jetzt ein Jahr lang auf den Führerschein verzichten. Muss 3000 Euro an die Opferhilfe geben. Die 7 Monate auf Bewährung wird er auch überstehen. Danach ist alles wieder beim alten.
Doch wenigstens müssen wir ihn nicht noch einmal sehen, wie er teilnahmslos und gefühllos im Gerichtssaal sitzt, in der Pause mit dem Anwalt lacht, unbeeindruckt und gelangweilt unsere Familie und Freunde betrachtet.
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Artikel: Wie viel ist ein Menschenleben wert?
Steven Reiher, geboren am 1. Februar 1984, gestorben am 12. Juni 2006. Gestorben, weil ein Rentner ihm die Vorfahrt nahm. Gestorben, weil Manfred Fränkel, damals 69 Jahre, eine Abkürzung nehmen wollte. Gestorben, weil ein rücksichtsloser alter Mann von einer Nebenstraße kommend auf einer vierspurigen Hauptstraße mit durchgezogener doppelter Sperrlinie wenden wollte. Ohne nach dem Verkehr zu schauen, ohne in den Rückspiegel zu schauen, ohne auf die Gesundheit seiner Fahrgäste zu achten. Er fuhr einen Kleinbus mit behinderten Kindern. Ein Nebenverdienst zur Rente, die er jetzt noch ein wenig genießen möchte. Deshalb geht er auch in Berufung. Er kann die Strafe nicht akzeptieren, die ihm das Gericht am 14. Mai für fahrlässige Tötung auferlegt hat. 7 Monate auf Bewährung, 1 Jahr Fahrverbot, 3000 Euro an die Opferhilfe. Das ist dem Rentner zuviel, der im Gericht keine Reue, nicht einmal eine Regung zeigt. Er hätte kaum Schlaf, sagt sein Anwalt. Er würde mit dem Unfall nicht fertig werden und sei in psychologischer Behandlung. Davon spürt im Gerichtssaal keiner etwas. Auch seine Frau ist regungslos. Mitten im Plädoyer singt ihr Handy “Auf der Straße nach Fernando”. Ja, da möchten sie wohl gern sein. Doch so schlimm scheint es Manfred Fränkel auch wieder nicht zu gehen, wenn er sich der Prozedur einer neuen Verhandlung aussetzen möchte. Wenn seine Tat so schwer auf ihm lastet, würde er die Strafe hin nehmen. Eine recht milde Strafe, wie viele meinen, die den Fall mitverfolgen. Unter Anwälten gilt sie als streng. Schließlich gibt es auf fahrlässige Tötung meist nur eine Geldstrafe. Nach den Opfern fragt keiner.
Steven war, ist mein Bruder. Er war mit dem Motorrad von der Arbeit auf dem Weg nach Hause, am Montag, dem 12. Juni 2006, 14:35 Uhr. Er fuhr auf der Hauptstraße, auf der linken Spur. Als der Kleinbus plötzlich von der Nebenstraße auf seine Spur lenkte, leitete er eine Notbremsung ein, kollidierte trotzdem mit dem Bus, starb.
Zur Beerdigung erschienen viele seine Freunde. Circa 150 Personen drängten in die Friedhofskapelle. Selbst zur Verhandlung kamen einige davon. Manfred Fränkel gibt sich unbeeindruckt. Der alte mürrische Mann hat das Leben eines 22jährigen beendet, der noch unendlich viele Pläne in seinem Leben hatte. Das einzige, woran er zu denken scheint, ist seine weiße Weste, die er sich nicht durch eine Bewährungsstrafe beschmutzen möchte. Dass er jemanden getötet hat, durch eine vorsätzliche Handlung, nämlich die Mißachtung diverser Verkehrsregeln und Inkaufnahme von Leben und Gesundheit seiner Insassen und anderer Verkehrsteilnehmer, dass scheint ihn nicht zu interessieren. Er scheint keinen einzigen Gedanken an den getöteten Motorradfahrer, seine Familie und seine Freunde zu verschwenden. - Vielleicht fällt das auch dem Richter in der Berufungsverhandlung auf, und er setzt das für uns viel zu niedrige Strafmaß nicht noch mehr herunter. Steven wird nicht wiederkommen, das wissen wir. Doch sollte ein Menschenleben nicht mehr wert sein als eine Geldstrafe?
| Chemnitzer Morgenpost vom 15.05.2007 | Freie Presse vom 15.05.2007 | Chemnitzer Bild vom 15.05.2007 |
Apr 10: Wer die Wahl hat...
...hat die Qual, heißt es. Doch nicht Qual, sondern reinstes Vergnügen soll die skurrile Wahlkampagne von TeNo bereiten. Sammler von was auch immer werden dort aufgerufen, ihre Kuriositäten, Obsessionen und dergleichen mehr zu zeigen und der Leserschaft zur Wahl zu stellen. Diese stimmt über die besten, schönsten und originellsten Sammlungen ab. Der Anreiz ist groß. Schließlich gibt es für die jeweils 20 “besten” Sammler - was auch immer dem Blogleser als gut, besser, am besten erscheinen mag - vier mal im Jahr YuKoN, das Sammelarmband der Schmuckmarke. Die so Beglückten können nach Ablauf der Kampagne noch einmal Yukon entgegen fiebern. Denn unter ihnen wird eine Reise ins Reich der Schatzsucher verlost, an den dahin fließenden Yukon in Kanada. Wem auf der Seite von TeNo kleine Elfen begegnen, der stimme doch bitte für diese ab ![]()
Links:
www.diewahlkampagne.de