Apr 3: Ein Buch auf Reisen
Ein Freund hatte vor weniger als zwei Wochen auf Facebook zu einer ungewöhnlichen Veranstaltung aufgerufen. Er wollte sein Lieblingsbuch mit seinen Facebook-Freunden teilen. Als dritte in der Liste hielt ich heute Mittag den Roman in den Händen, der mich neugierig gemacht hatte und dessen Faszination ich ergründen wollte. Jetzt, ca. drei Stunden später, liegt “Gut gegen Nordwind” von Daniel Glattauer gelesen neben mir.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal etwas gelesen habe, das mich so in seinen Bann gezogen hat. Dabei ist es weniger die Geschichte selbst, die mich in den letzten Stunden ans Sofa fesselte, sondern eher die Art und Weise, wie sie erzählt wird. Daniel Glattauer lässt den Leser zum heimlichen Voyeur einer privaten E-Mail-Korrespondenz werden, die zwischen zwei Fremden beginnt und zwei intimen Freunden endet. Das Buch lebt vom Auf und Ab der Gefühle, die sich spannungsvoll in einem intelligenten Dialog entfalten. Die Grenze zwischen Fremdheit und Vertrautheit wird ausgelotet, überschritten, zwischendurch wieder aufgebaut. Wie wird das noch enden? Wie soll das noch enden? Das sind die Fragen, die einen von Anfang an gefangen halten und die man beantwortet wissen möchte. So schnell wie möglich. So gut wie möglich. Keine Zeit, das Buch aus den Händen zu legen. Vielleicht ergibt sich nie wieder die Gelegenheit, in die Privatsphäre dieser Menschen eintauchen zu dürfen...
Wer nicht das Vergnügen hat, zum Freundeskreis von Ingo zu gehören und das Buch demnächst von einem der Teilnehmer geschickt zu bekommen, kann es auch bei Amazon erwerben. Es lohnt sich.