Jul 21: Mode, Models & Modelle
Während viele Menschen in diesen Tagen ihre Sommergarderobe preiswert in den Schlussverkäufen aufbessern, drehte sich vergangenes Wochenende in Berlin bereits alles um die Frühjahr-/Wintersaison 2009. Vier Tage lang präsentierten internationale Modedesigner ihre aufregenden Kollektionen im Herzen der Hauptstadt. Auf dem Bebelplatz, direkt Unter den Linden, zeigten schmale Models, was nächstes Jahr getragen wird. Ein großes Zelt verbarg die kommenden Trends vor den Blicken ungeladener Zuschauer. Prominente und Journalisten konnten indes einen Blick auf den Laufsteg werfen und das Modedefilee genießen. Letztere jedoch nur, wenn sie eine Einladung der Designer vorweisen konnten. Als freie Journalistin ohne festen Auftrag hatte ich da natürlich schlechte Karten. Also tauschte ich die Models gegen Modelle und stattete zusammen mit meinem Freund dem neu eröffneten Wachsfigurenkabinett „Madame Tussauds“ einen Besuch ab. [...]
Wir werden von Klaus Wowereit empfangen. Lebensecht lächelt er uns zum Gruße zu. Im ersten großen Raum gilt es, gut von böse zu unterscheiden. Das ist nicht leicht, denn die illustre Auswahl historischer Persönlichkeiten wird sympathisch in Szene gesetzt. So zeigt sich Karl Marx als gemütlicher Opa in einem Lehnstuhl, Walter Ulbricht lächelt freundlich und lässt deutliche Lachfalten erkennen. Hinter seinem Rücken kreuzt er gewitzt die Finger, so wie er es vielleicht getan haben könnte, als er sagte „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Im Hitlerbunker steht ein leerer Schreibtisch - der Führer hat sich kopflos von dannen gemacht. Politiker aktuelleren Datums folgen. Ein relativ schlanker Helmut Kohl steht neben Ronald Reagan, Gerd Schröder wirkt viel kleiner, als die Fernsehbilder Glauben machen und Angela Merkel hatte eine hervorragende Stylistin. Ihre Augen strahlen, das Make-up wirkt frisch.
Bemerkenswert sind die Details, welche die Figuren so echt erscheinen lassen. Auf Winston Churchills Hand sind leichte Altersflecken zu sehen. Sie fasst sich an, als sei sie aus Marzipan, glatt, aber nicht kalt. Falten und Adern sind fein definiert. Die Augen der Wachsfiguren sind aus Kunstharz gefertigt und scheinen den Betrachter zu mustern. Anfangs wirken sie fast ein wenig unheimlich, doch im Laufe des Rundgangs gewöhnt man sich an die vielen Blicke. Es irritiert, dass jeder Raum voller Menschen ist. Es gilt zu sortieren, wer lebendig und was eine Puppe ist. Doch nicht jede Figur, die unbeweglich im Raum steht, ist aus Wachs.
Zum Konzept von Madame Tussauds gehört es, die Menschen zu unterhalten und interaktiv einzubinden. Bei Thomas Gottschalk auf der Couch oder bei Günther Jauch am Ratepult sitzen, sich als fünfter Beatle mit Gitarre fotografieren lassen oder am Schlagzeug bei U2 oder Peter Maffay Platz nehmen - jeder Besucher kann für einen kurzen Moment Teil der glamourösen Showwelt werden. Doch auch ein Gespräch mit Günther Grass ist möglich, die Couch neben Sigmund Freud lädt zur Traumdeutung ein und Albert Einstein bietet seinen Arm zum Einhenkeln an. Wer will, kann sich von professionellen Fotografen vor einer Kulisse fotografieren lassen, zum Beispiel zusammen mit Marylin Monroe im Frack und Zylinder auf der Showtreppe. Oder man lässt seine Hand in Wachs nachbilden. Oder, oder, oder.
Am besten, jeder findet selbst heraus, was es bei “Madame Tussauds” alles zu entdecken gibt. Nicht nur spielen, sondern auch lernen kann man dort: über das Leben und Schaffen der Personen aus Geschichte, Politik, Kultur, Musik, Show und Sport - und natürlich über die Herstellung der Figuren selbst. Der Eintrittspreis ist zwar mit 18,50 Euro recht hoch bemessen, doch so nahe kommt man einem Promi (Brad Pitt, Angelina Jolie und Johnny Depp sind auch dort) so schnell nicht wieder.
Mode gab es dann übrigens doch noch zu sehen: in den Galeries Lafayette waren einzelne Stücke der Designer ausgestellt, die ihre Kollektionen auf der Mercedes-Benz Fashion Week präsentierten. Nur die Models fehlten.
Links:
Madame Tussauds
Mercedes-Benz Fashion Week
Galeries Lafayette