Abenteuer im 21. Jahrhu ...

Jeannine Reiher

 

Der östliche Atlantik

Es ist Mitte November. Die Vela liegt in der Marina Quinta do Lorde auf der Blumeninsel Madeira. Der Hafen ist gut belegt, da am nächsten Tag eine Rallye, die Transat, stattfindet. Eine gute Gelegenheit, sich die verschiedenen Segelboote anzuschauen und ein paar Fotos zu schießen. Für die Gäste wird ein Shuttleservice in das nahe gelegene Machico angeboten, den Marion und Holger am nächsten Tag gleich nutzen, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Die darauf folgenden Tage sind verregnet, und so sind die beiden froh, als ihre Bootsnachbarn sie mit ihrem Leihwagen nach Funchal mitnehmen. Ihre Eindrücke halten sie im Reisebericht fest: „Funchal, die Hauptstadt Madeiras, ist eine sehr grüne Stadt mit vielen kleinen Gassen, netten Geschäften und Cafés. Man empfindet keine Großstadthektik wie in anderen Hauptstädten, wenn man durch das Zentrum schlendert. Am Mittag füllen sich die Cafés und Restaurants mit Kreuzfahrttouristen, die hier für ein paar Stunden (!) an Land gehen. Gegen Abend wird es dann wieder leerer, und man kann das Lichtermeer der Stadt bis weit aufs Meer hinaus sehen.“ [...]



Dass der November in Deutschland ein eher trister Monat ist, haben die beiden nicht vergessen. Sie müssen die Insel für eine Woche verlassen und fliegen nach Hause zurück, um ein paar dringende Angelegenheiten zu erledigen. Den ersten Advent verbringen sie schon wieder auf Madeira. Statt Räucherkerzen und Adventskranz gibt es eine Wanderung zur Ostspitze der Insel, die einen unglaublichen Ausblick auf die Nachbarinseln bietet. An Bord gönnen sie sich dann doch noch ein Stück Heimat: im Licht einer Adventskerze genießen sie ein Stück Weihnachtsstollen.

Am Nikolaustag setzen Marion und Holger ihre Reise fort. Sie benötigen zweieinhalb Tage bis zur Ankunft auf den Kanaren. La Graciosa ist die erste der Inseln, die sie anlaufen. Kilometerlange Sandstrände, schöne Buchten und niedrige, weiß gekalkte Häuser bestimmen das Bild. Einige Tage später geht es weiter nach Lanzarote. Dort werden sie Freunde aus Deutschland treffen und mit ihnen Weihnachten und Silvester feiern. Am 15. Dezember erreichen sie Las Palmas Gran Canaria, wo die Freunde fünf Tage später zu ihnen stoßen.

Das Weihnachtsfest wird ungewöhnlich, aber sehr schön. Ein kleiner Weihnachtsbaum mit LED-Lämpchen und ein Festmahl aus Sauerbraten, Rotkohl und Klößen bringt ein Stück Deutschland nach Spanien. Die Feiertage werden zur Erkundung der Insel genutzt. Am 27. Dezember geht es dann zu viert nach La Gomera, wo die zwei Paare Silvester verbringen werden. Zwei Tage später legen sie in San Sebastian an. Auf der Insel gibt es viel Sehenswertes, darunter der Nationalpark Garajonay. Er umfasst den größten zusammenhängenden Lorbeerwald der Erde sowie einige eng zusammenstehende Vulkane und gehört zum Unesco-Weltnaturerbe.

Die Silvesternacht wird bunt und familiär. Im Hafen findet für alle Segler eine Silvesterparty statt, die vom Trans-Ocean-Stützpunktleiter organisiert wurde. Rund 60 Fahrtensegler kommen auf dem Dach des Marinagebäudes zusammen. Jeder hat eine Kleinigkeit mitgebracht. Es wird gegrillt, Platten werden aufgelegt. Um Mitternacht veranstalten die Bewohner von San Sebastian ein prächtiges Feuerwerk, das durch die Felsen im Hintergrund besonders eindrucksvoll wirkt.

In den nächsten Tagen unternehmen die Freunde einige Touren über die Insel. „So etwa, wie die Straßen auf Gomera, stelle ich mir den Motorradfahrerhimmel vor“, schreibt Holger. „Der Straßenbelag nagelneu, reiht sich eine Kurve an die nächste und alles vor permanenter Traumkulisse.“ Am dritten Januar heißt es Abschied nehmen von den Freunden, die jetzt mit einer Fähre nach Teneriffa übersetzen und von dort nach Deutschland fliegen. Holger und Marion bereiten sich für die große Strecke zu den Kapverden vor. Ausreichend Lebensmittel müssen gekauft und gut verstaut werden, damit nichts verdirbt. Doch das ist ein anderes Kapitel.

Fortsetzung folgt





Eintrag per E-Mail verschicken

Trackbacks

Abenteuer im 21. Jahrhundert (5)
Das Mittelmeer (3)Am 16. Oktober überquert die Vela den Nullmeridian. Dunkle Wolken ziehen auf und künden von einem bevorstehenden Unwetter. Anfangs gelingt es den Seglern noch, mit Hilfe des Radars dem Gewitter auszuweichen, doch bald gibt es kein Entr
Weblog: Jeannine Reiher
Aufgenommen: Jun 22, 11:13

Kommentare
Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Gravatar/Favatar unterstützt
 
Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!