Das Mittelmeer (2)
Am 29. September brechen die beiden auf. Der Wind hat gedreht und verspricht ein gutes Vorankommen. Nachmittags ankert das Boot in der Dwejar Bay von Gozo, die von ohen Felsen umschlossen ist. Früh morgens segeln sie weiter nach Tunesien. Der Wind hat inzwischen nachgelassen, doch noch reicht die Meeresbrise, um den Katamaran voranzubringen. Im Laufe des Tages übernehmen dann die Motoren den Dienst. Am nächsten Morgen ist die tunesische Küste in Sichtweite, gegen 16:00 Uhr kann die Vela in den Hafen einlaufen. Etwas erstaunt stellen Marion und Holger fest, dass keiner von den Hafenarbeitern bereit ist, ihnen beim Festmachen zu helfen, wie es sonst eigentlich üblich ist. Einige Zeit später wissen sie auch, warum: es ist Ramadan, und mit hungrigen Mägen fällt die Arbeit schwer. In den nächsten Tagen lernen sie ihren tunesischen Bootsnachbarn kennen, der sich sehr hilfsbereit zeigt und sich auch mal als Reiseführer betätigt. [...]
„Tunesien ist für uns bis jetzt die schönste Station auf unserer Reise“, schreibt Marion in ihrem Reisebericht. „Die Vegetation hier im Norden ist sehr üppig, und für mich ist die Blütenpracht ein Geschenk für die Sinne. Die Gegend ist sowohl landschaftlich als auch architektonisch sehr reizvoll, und so kann man durchaus verstehen, dass sich Paul Klee, August Macke und viele andere Künstler hier wohl gefühlt haben und Kultur und Landschaft sie am Vorabend des ersten Weltkrieges inspiriert haben zu der ‚Tunisreise’, die später zu einem weltberühmten Ereignis wurde. Während ich diesen 4. Bericht schreibe, sitze ich im Cafe des Nattes, das schon vor fast 100 Jahren ein Ort der orientalischen Lebensart und gleichzeitig internationaler Treffpunkt war und immer noch ist. Auf der Terrasse hat man einen Blick auf die Gassen des Ortes sowie den Golf von Tunis. Die Häuser sind weiß gekalkt und die Türen, Fensterläden und Gitter sind alle mit der gleichen hellblauen Farbe gestrichen. Die Türen sind reich mit Ziernägeln versehen und erinnern an Andalusien. Sowohl Straßen, als auch Häuser sind gut in Schuss, was man von Malta nicht sagen konnte.“
Ein französisches Ehepaar, das mit ihrer Segelyacht später neben dem Paar aus Deutschland liegt, rät von einem Besuch in Tunis ab. Die Geschäfte und Restaurants seien während des Ramadans geschlossen, und die Stadt erscheine laut und schmutzig. Stattdessen reisen Marion und Holger nach Kathargo, von dem sie vor allem die römische Therme beeindruckt. Nachdem der Wetterbericht günstigen Ostwind verheißt, brechen sie am 11. Oktober mit ihrem Boot nach Gibraltar auf. 800 Seemeilen entlang der afrikanischen Küste liegen vor ihnen.
Das Mittelmeer (1)Am 2. September legt die Vela mit ihren beiden Passagieren ab. Es ist ein heißer (36 Grad) und nahezu windstiller Spätsommertag. Als Holger und Marion die Bucht von Marmaris verlassen, frischt der Wind auf, kommt jedoch von vorn, so da
Aufgenommen: Jun 22, 11:10