Mai 25: Abenteuer im 21. Jahrhundert (2)
Der Start
Am 20. August 2007 geht es los. Marion und Holger stehen um vier Uhr morgens auf dem Frankfurter Flughafen, von dem aus es in die Türkei gehen soll. Am Abflugschalter dann der erste große Schreck: der Laptop, in dem sich die Flugtickets befinden, ist weg. Die Freunde, die sie zum Flughafen gebracht haben, sind längst fort und haben das Handy ausgeschaltet. Holger erinnert sich, dass der Kofferraum leer war, als sie sich verabschiedeten. So bleibt nur die Hoffnung, dass das Gerät noch vor dem Haus steht. „Ein einsames Laptop morgens um halb fünf auf einer Dorfstraße in Roxheim – schlimmer hätte es fast nicht kommen können“ schreibt er in seinem ersten Bericht. Notgedrungen lassen sich die Abenteurer Ersatztickets ausstellen. Kurz vor dem Abflug melden sich die Freunde. Sie versprechen, nach dem Laptop zu schauen und ihn zuzuschicken. Nach all den aufwendigen Vorbereitungen, die zwei Jahre in Anspruch genommen haben, sollte jetzt ausgerechnet ein vergessener Computer für Probleme sorgen? Die beiden Rheinland-Pfälzer haben Informationen über das Fahrensegeln und über die Route gesammelt, Einreisebestimmungen gewälzt, Impfungen ertragen und verschiedene Sprachen gelernt bzw. aufgefrischt. Sie haben sich für ein Boot entschieden, es gekauft und für die Weltumseglung umrüsten lassen. Sie mussten eine Bleibe für ihre Haustiere suchen, jemanden Haus und Garten anvertrauen, das Auto verkaufen, Strom, Telefon und Fernsehen abmelden sowie das Geschäft stilllegen und alle Kunden informieren. Nachdem Hausrat, Kleidung, Fachbücher und Werkzeug verstaut waren, hieß es Abschied nehmen von den Freunden. Und nun sollte ein Computer, auf dem alle wichtigen Dokumente gespeichert waren, über ihre Reise entscheiden. In Marmaris dann die Erleichterung: die Freunde haben den Laptop auf dem Treppenabsatz gefunden. Nachdem der Transport in die Türkei geklärt ist, können sich Marion und Holger erleichtert den letzten Vorbereitungen widmen. Die restlichen Sachen werden an Bord verstaut, alle Listen überprüft und – nach dem Eintreffen des ersehnten Computers – Abschied von der Offshore-Sailing-Mannschaft genommen, nicht ohne ein paar Tipps und Ratschläge im Gepäck.
Mai 20: Abenteuer im 21. Jahrhundert (1)
Fremde Länder entdecken, weit ab vom Strom der Touristen; auf einem Segelboot die Weltmeere bereisen, Wind und Wellen trotzen - für viele ist und bleibt dies nur ein Traum, eine leise Sehnsucht, dem Alltag zu entfliehen. Doch manch einer wagt das große Abenteuer. Wie in den Romanen von Jules Verne machen sie sich auf den Weg, die Wagemutigen unter uns, die dem Fernweh eine Chance geben und die Ursprünglichkeit der Natur erleben möchten. Marion und Holger gehören zu diesen Menschen. Das Paar stammt aus der Nähe von Bad Kreuznach und steht mitten im Leben. Die beiden Endvierziger führten bis vor kurzem eine Schmuckwerkstatt, sie haben ein Haus mit Garten und einen Kater namens Max, den sie fernab der Heimat sehr vermissen. Nun ruhen die Geschäfte, denn sie segeln um die Welt. Zurzeit befinden sie sich mit ihrem Katamaran Vela in der Karibik. Was nach einem paradiesischen Urlaub klingt, ist jedoch ein hartes Stück Arbeit. Zunächst sind da die Vorbereitungen, die vor solch einer langen Reise (mindestens zwei Jahre!) getroffen werden müssen. Dann gilt es Wind und Wetter zu bezwingen, Stürme zu überstehen und die alltäglichen Dinge zu bewältigen, die auf einem Boot plötzlich sehr bedeutsam werden. Essen, schlafen, Wäsche waschen - nichts ist so, wie man es an Land gewöhnt ist. Doch die zwei sind gut vorbereitet, schließlich tragen sie den Gedanken an eine Weltumseglung bereits seit rund 25 Jahren mit sich herum. Seit vielen Jahren haben sie auf teure Fernreisen verzichtet und ihr Geld für diese Reise zurückgelegt. Dann endlich ist es soweit. Im Spätsommer 2007 legen Marion und Holger im Hafen von Marmaris (Türkei) ab und treten ihr großes Abenteuer an.
Der Bericht über ihre Erlebnisse füllt mehrere Seiten. Jede Woche wird ein Stück davon hier veröffentlicht. Fortsetzung folgt